Sex and Crime und Feuerwehr
Brigitte Brandner geifert (frei nach Heinz Erhardt) als giftige Gattin Galle - ihr Feuerwehr-Vorstands-Ehemann Florian löscht äußere und innere Brände mit derartiger Bravour und Begeisterung, dass er kaum noch nach Hause kommt. Jetzt reicht’s: Entweder ist Schluss mit dem Vorstandsposten bei der Schwarzenbrucker Wehr oder mit der Ehe. Als er doch wieder gewählt wird jagt sie ihn Pfanne schwingend durch den Ort – er kann ja im Spritzenhaus unterkommen, wenn er sowieso die meiste Zeit dort verbringt. Doch Eheprobleme sind Florian Brandners geringere Sorge, schwerer wiegt die drohende Zusammenlegung der Schwarzenbrucker mit der Feuchter Feuerwehr, die es zu verhindern gilt und dazu das große geplante Feuerwehrfest.
Wie er das alles mit Hilfe seiner wackeren Mitstreiter, dem in die Jahre gekommenen Dorfcasanova Johannes Schöninger, dem stotternden Bernhard Kälble und nicht zuletzt mit Dorfpfarrer Kaslinger und Tochter Eva löst, das zeigte die Theatergruppe des TSV Ochenbruck in Schwarzenbruck. Im Schwank „Feurio – Aufruhr im Spritzenhaus“ von Jürgen Schuster dürfen jeweils örtlichen Gegebenheiten umgesetzt werden, erklärt Bürgermeister Bernd Ernstberger im Anschluss an die Aufführung und stellt gleichzeitig richtig, dass eine Fusion der Feuchter und Schwarzenbrucker Feuerwehr lediglich Erfindung für das Theaterstück sei.
In der fast ausverkauften Bürgerhalle ließen Florian Weininger (Brandner), Steffi Ernstberger (zürnende Ehefrau), Birgit Humplmair (Tochter Eva), Reimund Hüneburg (Kälble), Andreas Braun (Schöninger) Horst Wolfert (Pfarrer) und Petra Weininger (sittsame Pfarrhaushälterin) an der schwungvollen und turbulenten Komödie rund um die Feuerwehr teilhaben. Die Mitglieder der Theatergruppe probten seit September intensiv auf ihre vier Auftritte hin – die letzten zwei finden am kommenden Freitag und Samstag (21 und 22. November) statt. Seit etwa 50 Jahren besteht diese Abteilung des TSV Ochenbruck und präsentiert jährlich ein Theaterstück. Ihr Repertoire wandelte sich in dieser Zeit vom Bauerntheater der ersten Aufführungen zu modernen Komödien und Schwänken der letzten Jahre. Viele Mitglieder sind seit langem aktiv, beispielsweise Horst Wolfert (er führte diesmal auch Regie) seit 35 Jahren. 2004 führte das Ensemble sogar ein Stück urauf: „Jede Wette Volltreffer“ von Richard Cesinger, der damals mit im Publikum saß.
Erfrischend, flott und souverän in ihre Rollen hineingewachsen zeigten sich die sieben Schauspieler und Schauspielerinnen der Theatergruppe bei der Premiere. Man nimmt es Ernstberger ab, dass sie vom Treiben ihres Mannes die Nase voll hat und Petra Weininger die bigotte Haushälterin Anna Rehbein, die überall Sünde und Verderben für „ihren Pfarrer“ wittert. Als etwas geheimnisvolle Vermittlerin zwischen den Fronten mimt Humplmair gekonnt den Teenager Eva. Überzeugend auch die Herren. Egal ob Florian Weininger als bemitleidenswerter geschundener Vorstands-Gatte tapfer gegen das drohende Verhängnis ankämpft, Hüneburg den etwas naiven Kälble stotternd die Dinge auf den Punkt bringen lässt, Braun seine dunklen Locken lockend einsetzt oder Wolfert Pfarrers Hang etwas über die Stränge zu schlagen karikiert – für ihr gewinnendes Spiel, die witzigen Dialoge waren ihnen viele Lacher und Begeisterung sicher. Textsicher, locker und authentisch spielten sie ihre Rollen im mit echter Feuerwehrausrüstung ausgestatteten „Spritzenhaus“. Richtig aufgeheizt wurde die Stimmung in der Bürgerhalle, als die drei „Feuerwehrler“ mit allem was dazu- oder in diesem Fall besser weggehört für ihr Fest probten - inklusive Striptease zum Sexbomb-Lied von Kälble/Hüneburg. Sehr zur Gaudi der Zuschauer ließ er a la „Dream Boy“ bis zum Auftauchen Rehbeins gekonnt die Hüllen fallen.
Ein kurzweiliger, unterhaltsamer und spannender Schwank, der alle Zuschauer restlos begeisterte.
