„Leberkäs’ und rote Strapse“ (von Regina Rösch)
Das waren damals noch Zeiten, als einem die ganze Weiberwelt zu Füßen lag. Jetzt binden die drei Freunde Friedhelm (Reimund Hüneburg), Sepp (Horst Wolfert) und Peter (Florian Harmansa) die Ehefesseln und die Angeheiratete liegt nicht zu Füßen, sondern jeden Abend auf dem Sofa und schwärmt von „Musikantenstadl“ und Florian Silbereisen. Aber ein „gestandener Schwarzenbrucker“ weiß sich in jeder Situation zu helfen. Und so zieht sich Friedhelm und seine Freunde aus dem Sumpf der Midlife-Crisis ans rote Licht des Nürnberger Nachtlebens, sprich die Bar „Blind Date“. Kurzerhand werden die Gattinnen zum Wellness-Wochenende verschickt und die Party kann steigen.
Was den Männern recht ist, ist den Frauen billig. Auch Margarete (Stefanie Ernstberger), Gertrud (Inge Ernstberger) und Hedwig (Petra Weininger) leiden unter ihrem „Männeralltag“. Nach vielen Ehejahren zwischen Bundesliga und Haushalt finden sie die „begehrtesten Junggesellen“, die sie sich damals geangelt haben, längst nicht mehr so attraktiv. „Schnarchnase“ ist noch eine der netteren Bezeichnungen für ihre Alltagsmuffel. Außerdem registrieren diese keine ihrer Anstrengungen, sich beim Frisör beziehungsweise „Verschönerungsverein“ von Emilie Meister (Petra Schöpfer) fachkundig stylen zu lassen. Doch so einfach abschieben lassen und sei es auch zum „Baden in Sahnesoße“ – das lassen sich die drei gewitzten Ehefrauen auch nicht gefallen. Dann schon lieber gestylt im Glitzerfummel zusammen mit Liane Kowalski (Birgit Humpelmair) nach Nürnberg, um, wie sich später herausstellt, in der Bar von Margarete einen drauf zu machen.
Herrlich spielte die Theatergruppe, wie sich die braven und biederen Eheleute verwandeln: Die Männer über einen Ausflug in ihre Hippie-Ära mit Schlaghosen und „Rolling Stones“ in heißblütige „Italiener“ - die Frauen in langmähnige bezaubernde Schönheiten. Auch Friedhelms Chef, der Finanzbeamte Dr. Dr. Ansgar Müller-Tiefensee (Florian Weininger) mutierte im Lauf des Stücks vom steifen und korrekten Bürovorgesetzten zu einen lockeren, gar nicht so ehrbaren Kumpel, der sich nur zu gern der Männerrunde anschließt. Dass sich das perfekte Italienisch der „Italiener“ etwas eigenartig anhört, weil es aus Speisekartennamen sowie angehängten „Os“ zusammensetzt? Wen stört’s und so versteht man sich bestens, was viel Komik und Lachen auslöste.
Großartig wie die Schauspieler sich in ihre Rollen hineinspielten, angefangen von dem „Frauengezicke“ am Anfang bis hin zum Show-Down mit Polizeikontrolle (Johann Geißelbrecht). Ein ausgezeichnetes Bühnenbild, flotte Kostüme und herrliche Maske (Maskenbildnerinnen: Dagmar Kahlmeyer und Nadine Freisleben) rundeten die Inszenierung ab und ließen sie zudem zum Augenschmaus werden.
Viel Applaus gab’s für diese schwung-, humor und lebensvolle Aufführung, die munter die graue Alltagsbefindlichkeit von „Ehekrüppeln“ auf die Schippe nahm. Und dass es bei dieser Kombination von Leberkäs und roten Strapsen ein für alle zufriedenstellendes Ende gab, versteht sich von selbst.
Insgesamt viermal spielte die Theatergruppe das Lustspiel „Leberkäs‘ und rote Strapse“ in der Schwarzenbrucker Bürgerhalle vor restlos begeistertem Publikum
